Katholiken bauen ein neues Gotteshaus
Beim Wort Abriss dreht sich bei Pfarrer
Guttmann der Magen um. Die Entscheidung, die 1952 erbaute St. Marien-Kirche
dem Erdboden gleichzumachen, bezeichnet er lieber als "das Gotteshaus zur
Seite
nehmen".
Er mag nicht an den Tag denken, an dem
der Abrissbagger am Kurzen Kamp vorfährt. Dies geht aber auch anderen
Gemeindemitgliedern so. "Schließlich verbinden viele mit unserem
Gotteshaus so bedeutende Ereignisse wie Taufe oder ihre Hochzeit", sagt
Gisela Schönebein vom Kirchenvorstand.
Aber noch vor den Sommerferien (1998)
müssen die 2100 Gemeindemitglieder Abschied von ihrer Kirche nehmen.
Dann wird Platz gemacht für den Neubau. Grund für diesen ungewöhnlichen
Schritt in einer Zeit, in denen die Kirchen immer mehr Mitglieder verlieren:
Das alte Gotteshaus ist einfach zu klein geworden. "An Sonntagen platzen
wir aus allen Nähten", klagt Guttmann. Es geht sogar soweit, dass
zum Beispiel bei großen Festen - wie der Firmung - Platzkarten an
die Verwandten ausgegeben werden müssen. "Alle dürfen nicht kommen.
Und Gemeindemitglieder erst recht nicht", ergänzt Sabine Heckmann,
Pfarrgemeinderat.
Für die aufstrebende katholische
Gemeinde, die auch keine Nachwuchssorgen hat, stand deshalb außer
Frage: Ein Neubau muß her. Am Montag wurde der Bauantrag bei den
Baubehörden eingereicht. Und da der Pfarrer ein hoffnungsfroher Mensch
ist, soll die Genehmigung bereits in sechs Wochen vorliegen. "Dies wurde
uns zumindest signalisiert."
Zuvor hatten sich die Mitglieder des Kirchenvorstandes
und des Pfarrgemeinderates bei einer Klausurtagung noch einmal intensiv
mit dem Projekt beschäftigt. Vor allem die Finanzierung des 3,2 Millionen
teuren Neubaus stand immer wieder im Mittelpunkt der Diskussionen. 2,4
Millionen Mark gibt das Erzbistum Hamburg dazu, den Rest muss die Gemeinde
selbst aufbringen. "Keine einfache Sache, aber lösbar", merkt Guttmann
an. So sind unter anderem Basare und der Verkauf alter Kirchenbänke
vorgesehen. "Vielleicht finden wir ja auch Sponsoren", fügt er hinzu.
Und so sieht der Zeitplan für das
Vorhaben aus: Noch im Sommer (1998) soll der Abriss der alten Kirche erfolgen,
unmittelbar danach der Spatenstich für den Neubau. Dieser wird zwischen
dem erst vor knapp zwei Jahren errichteten Pfarrbüro und dem Gemeindehaus
entstehen.
Der fast 22 Meter hohe Turm des Gotteshauses
wird nach Süd-Westen zeigen. "Gegenüber unserer alten Kirche
wird der Neubau praktisch um 90 Grad gedreht entstehen", erklärt Guttmann.
Der Innenraum wird etwa 470 Quadratmeter
groß und Platz für maximal 400 Besucher bieten.
Ein Architekten-Team um den Hamburger
Professor Grundmann hat die Kirche entworfen (zum Team: Mathias Hein und
Bernhard Breuninger). Für ihn ein Novum: Bislang bauten sie nur für
evangelische Auftraggeber.
"Während des Neubaus wird die Seelsorge
in umfassenden Maße aufrecht erhalten", verspricht Guttmann. Die
Gottesdienste werden während der Bauzeit in das geräumige Gemeindehaus
verlegt.
Spätestens im Herbst 1999 soll die
neue Kirche eingeweiht werden.
aus: Quickborner Tageblatt, 11.03.1998